Das innere Kind

Wenn ich von deinem inneren Kind spreche, geht es um deine bedürftigen Persönlichkeitsanteile aus der Kindheit.

Die meisten Schwierigkeiten im Privatleben, in der Familie und im Beruf haben mit deinen inneren Kindanteilen zu tun.

Das möchte ich dir hier näher erläutern.

 

Ein Kind tut alles für die Eltern, um geliebt zu werden.
Bleiben Bedürfnisse ungestillt, werden diese in das Erwachsensein mitgenommen.
So nimmt die Kindbedürftigkeit Einfluss in …

  • die Beziehung zu den Eltern
  • die Partnerschaft
  • das Berufsleben
  • und auch die Beziehung zu sich selbst

 

Dazu ein Beispiel:

Ich gehe hier mal nicht vom Schlimmsten aus, sondern von ganz „normalen“ Begebenheiten, die dennoch eine nachhaltig prägen.

Das Kind will spielen – jetzt sofort – (es besitzt noch kein Zeitgefühl). Die Mutter kocht gerade und hat keine Zeit. Sie sagt: Später spiele ich mit dir. Das Kind kann jedoch mit „später“ nichts anfangen.

Wenn das Kind dann noch das Thema „Selbstwertgefühl“ mit in sein Leben gebracht hat, geschieht Folgendes:
Es fühlt sich abgelehnt und zieht sich zurück.
Es denkt: Die Mutter will nicht, ich bin es ihr nicht wert, sie liebt mich nicht.

Wenn sich diese Situation öfter wiederholt, verstärkt sich das mehr und mehr. Das Kind verinnerlicht dieses Programm.
Das Spielen mit dem Kind zu einem anderen Zeitpunkt hat dann keine Bedeutung.

 

Vielleicht reagiert es auch ganz anders:

Es will sich durchsetzen, schreit und fordert die Aufmerksamkeit der Mutter ein. Die Mutter gibt genervt nach. Das Kind macht die Erfahrung: Wenn ich nur lange genug nerve, bekomme ich was ich möchte.

Oder die Mutter reagiert wütend und schimpft. Das Kind lernt, wenn ich etwas möchte, bekomme ich es doch nicht. Es resigniert und hört auf zu fordern.

 

So wirken sich diese Erfahrungen später aus

Als Erwachsene tragen wir unerfüllten Kind – Bedürfnisse immer noch mit uns herum.
Wir suchen im Außen Menschen, die diese Bedürftigkeit stillen sollen. Das sind die Partner/in oder die Kollegen oder die Chefs oder die Freunde, …

Du kannst dir vorstellen, dass damit Konflikte vorprogrammiert sind.

  • Wer mag schon ein Kind als Partner
  • Wer will für seinen Partner Vater oder Mutter sein
  • Welcher Chef /Kollege / Geschäftspartner will mit einem Kind zusammenarbeiten

Wir tappen in Fallstricke, weil es schwer zu erkennen ist, ob Bedürfnisse, Wünsche, Ziele,  die der inneren Kindes sind oder der Erwachsenen Ichs sind.

 

Dazu noch ein Beispiel:

Da ist das Gefühl des „zu wenig Aufmerksamkeit bekommen“.

Als Kind machte Frau A. sie die Erfahrungen der Zurückweisung, hatte die Empfindung*: Die anderen bekommen mehr Anerkennung, mehr Zuwendung, mehr Liebe.
Es haben sich Sätze eingeprägt, wie: „du musst brav sein“, „dann wirst du geliebt“. „Andere können schon viel mehr“ (früher sitzen, früher laufen, früher sprechen). „Sei leise“. „Widerspreche nicht“. „Wir Eltern wissen was gut und richtig ist“, wir wollen doch das Beste für dich. „Musst du immer auffallen“.„Mach uns ja keine Schande“. „Deine Wahrnehmung ist falsch“. „Dräng dich nicht vor“, Stelle dich hinten an“. Und so weiter und so weiter.

Welche Sätze sind in Ihrem Programm installiert?
(*Diese Wahrnehmung kann aus einem realen Geschehen entstehen. Das heißt: das Kind erhält tatsächlich wenig oder gar keine Zuwendung, ist ungeliebt und störend. Es kann jedoch auch nur eine Empfindung, eine Empfindlichkeit sein. Die Eltern haben nicht so viel Zeit, wie es sich das Kind wünscht. Sie nehmen die Bedürfnisse des Kindes nicht ernst. Das Kind hat eine andere Vorstellung von „geliebt werden“.)

 

Verhaltensstrategien des Kindes

  • Es entwickelt ein Denken, es sei nicht gut genug, nicht richtig.
  • Es stellt seine Wahrnehmungsfähigkeit in Frage.
  • Das Kind zieht sich zurück und wird tatsächlich übersehen.
  • Es buhlt ständig um Aufmerksamkeit und wird als nervig empfunden. Es drängt sich dadurch noch mehr in den Mittelpunkt und erreicht damit das Gegenteil von dem, was es möchte.
  • Dann gibt es noch das Kind, das Aufmerksamkeit durch besondere Taten zu bekommen hofft. Es lernt eifrig, versucht den Eltern alles recht zu machen, ihnen zu helfen und erhofft sich dadurch Lob und Anerkennung.
  • Es überschreitet ständig die Grenzen, macht Blödsinn, zerstört Dinge, ist aggressiv und erhält dadurch auch Aufmerksamkeit.
  • Das Kind passt sich an, ist das „brave Mädchen“, der „liebe Sohn“

Für das Erwachensein bedeutet das:

Sowohl die als Kind trainierten Strategien bleiben erhalten, als auch die emotionale Bedürftigkeit.

Daraus folgt:

  • Du hast Angst aufzufallen, du ziehst dich gerne zurück
  • Deine Talente und Fähigkeiten werden weder erkannt noch gelebt
  • Du läßt lieber anderen den Vortritt
  • Du möchtest mitreden, willst immer dabei sein und wirst als nervig und als „Schleimer“. abgelehnt. Dabei möchtest du doch nur dazugehören
  • Auf der Suche nach Grenzen werden die eigenen und die der anderen überschritten
  • Du fühlst dich nie „gut genug“, bist nie mit deiner Arbeit zufrieden, müsst noch besser werden, noch mehr arbeiten
  • Es besteht ein Mangel an Selbst-wert, Selbst-bewusst-sein
  • Es fällt dir schwer zu fordern, du nimmst was übrigbleibt
  • Du hast keine eigene Meinung oder traust dir diese nicht mitzuteilen.
  • Auch als Erwachsener rebellierst du, hast Probleme mit Autoritäten, schießt ständig übers Ziel hinaus

 

Projektionen und Übertragungen

 

Ein weiterer unbewusster Mechanismus der inneren Kindanteile sind Projektion und Übertragungen.

Die Folge: Emotionale und mentale Ablehnung.

Forderungen nach Liebe und Zuwendung aus der Kindheit werden von Eltern auf den Partner/-in übertragen. Er soll einem das geben, was Papa / Mama nicht geben konnten. Der Partner jedoch möchte keine Beziehung zu einem Kind. Er / sie wird wütend. Stress und Ärger entstehen in der Partnerschaft ohne wirklichen Grund. Man fühlt sich wieder unverstanden, wieder ungeliebt, als Opfer.
Eine bestimmte Geste, ein Wort, eine Mimik des Gegenübers löst eine negative Kindheitserinnerung aus. Ein Schalter wird umgelegt. Man ist plötzlich blockiert, fühlt sich klein und unsicher. Der andere wird dadurch auch unsicher, eventuell auch wütend.
Oder Sie sind das Gegenüber und bekommen das Empfinden für alles verantwortlich zu sein.
Die eigenen Kinder sollen das Leben, das Lernen, den Sport treiben, den Beruf ergreifen, all das tun, was man selbst gerne gehabt hätte.

 

Daraus resultiert:

Beziehungen gestalten sich schwierig. In Geschäftsverhandlungen ist das fatal.

Partnerschaftsprobleme sind vorprogrammiert.

Bewerbungsgespräche misslingen trotz bester Vorbereitung.

Die eigenen Kinder werden in eine Richtung gedrängt, ohne ihre wahren Talente zu erkennen.

 

Und ewig grüßt das Murmeltier – alles wiederholt sich aufs neue – später auch bei den eigenen Kindern.

 

 

Hat dir der Beitrag gefallen?

Teile ihn auf Facebook mit deinen Freunden: www.facebook.com/die.andere.perspektive

 

Alle zwei Wochen gibt es mehr Artikel und Neuigkeiten in „die MontagsPost“.

 

P.S. Du kannst dich jederzeit wieder austragen.

 

Das innere Kind